Schlager-Geschichte(n) des Ostens Band 1 (1945-1965)



„Eine Woche voller Arbeit
geht schnell vorbei.
Und dann kommt ein freier Tag
ja, nur für uns zwei.
Pünktlich um halb vier
Bin ich dann bei dir.
Und ich werd dich fragen:
Schatz, was wünscht du dir?
Woll’n wir heute bummeln geh’n
oder einen Film anseh’n?“

Es war die Zeit der Neugründungen: 1947 wurde die „LIED DER ZEIT – Schallplattengesellschaft mbH“ gegründet mit den Labels AMIGA für Unterhaltungs-, Tanzmusik und Jazz, ETERNA für Klassik sowie „Lied der Zeit“ für politisches Liedgut. 1950 wurde begonnen mit dem Bau des Fernsehzentrums in Adlershof, im selben Jahr im Oktober eröffnete die Hochschule für Musik Hanns Eisler.


Immer in Auseinandersetzung mit den Medien des Westens kämpften Rundfunk und Fernsehen um Hörer. So bemerkt 1959 die Zeitschrift „Melodie und Rhythmus“ zur Sendung „Schlagercocktail“ des Deutschlandsenders: „Allerdings ist auch diese Sendung nicht ganz frei von Einflüssen, die keiner guten musikalischen Bildung dienen. Hin und wieder passiert es, dass dekadente Stilmittel der westlichen Schlagerindustrie auftauchen. Musste unbedingt der Titel ’Peter, komm heut Abend zum Hafen‘ mit unverkennbaren Rockstellen erscheinen?“


Im Band 1 beschreibt der Autor, wie die Entwicklung des DDR-Schlagers begann, erzählt von Entdeckung und Förderung junger Interpreten und Autoren, von denen einige in den Westen verschwanden, und von den Bemühungen der Partei-und Staatsführung der DDR, eine ganz eigenständige sozialistische Schlagerkultur zu schaffen. Dabei erfährt der Leser, warum aus der „Schlagerlotterie“, der ersten DDR-Hit-Parade mit Heinz Quermann, plötzlich „Schlagerrevue“ wurde und warum es zwischen 1963 und 1965 zu einer gewissen Liberalisierung kam mit der Konsequenz, den Twist und die ersten Beatgruppen zu dulden.

Über persönliche Erinnerungen mancher Interpreten oder Autoren wird der Leser schmunzeln und vielleicht sogar beim Lesen plötzlich eine Melodie im Ohr haben: Da ist Günter Gollasch, der bis heute musiziert, 1958 mit „Yvette“ und der Klarinette zu sehen, vom „King of Swing“ Hanns-Joachim („Fips“) Fleischer ist zu lesen, Sonja Siewert bescheinigt: „Junger Mann, Sie haben keine Ahnung“ und Julia Axen, die als Christa Lubbe in Birkenwerder aufwuchs, erzählt, wie sie in der Sendung „Da lacht der Bär“ einen Kinderwagen über die Bühne schob und dazu sang: „Du Baby, ich gehe mit Vati aus.“ Hier begann ihre große Karriere.


Autor und Schlager-Insider Siegfried Trzoß schildert seine ersten Rundfunkkontakte und Erlebnisse rund um die Schlagerwelt des Ostens.

Schlager-Geschichte(n) des Ostens, Band 1 (1945-1965) ist im Buchhandel erhältlich (ISBN 978-3-938810-02-6) oder direkt bei apercu Verlag, Gubener Straße 47, 10243 Berlin. Preis 19,80 Euro

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