Wenn der Paul mit der Paula …



Was, wenn aus Plenzdorfs unvergesslichem Film­Liebenspaar Paul und Paula, das auf der Leinwand ewig jung bleibt, ein Ehepaar geworden wäre?  Hier und heute? Die beiden wären nunmehr um die Sechzig, hätten an Gewicht und Reife vermutlich zugelegt und manche Illusion, doch nicht die Liebe und schon gar nicht ihren Humor verloren.

 

Das sagte sich Moderator, Autor, Komponist und Sänger Siegfried „Siggi„ Trzoß, ein „Urgestein“ der Schlagergeschichte des Ostens, der in Berlin erfolgreich zur „Langen Nacht der Senioren“ einlädt und für den Senioren­Grand­Prix „Goldener Herbst“ späten Talenten auf der Spur ist: Anfang der 90er Jahre erweckte er die beiden legendären Figuren für seine regelmäßigen monatlichen  „Sonntagskonzerte“ im Marzahner Freizeitforum wieder zum Leben.

Das große Echo zeigte, dass er einen Nerv getroffen hatte, und ermutigte den heute 62jährigen zum Weiterschreiben. Seitdem hat Siggi Trzoß seinem Ehepaar regelmäßig Dialoge abgelauscht und sie in seinen Veranstaltungen vorgetragen. Fünfzig der pointierten kleinen  Sonntagsgeschichten in Prosa und Versen  hat der apercu Verlag nun als Buchlektüre herausgebracht: „Wenn der Paul mit der Paula...“.

 

Der Verfasser kommentiert das Älterwerden und den Alltag der oft unfreiwillig früh aus dem Arbeitsleben geschiedenen Generation 50plus mit Augenzwinkern: Ob vergebliche Diätversuche oder Handymanie, ob „Denglisch mit fun und action“ oder die schwer verständliche Gebrauchsanweisung für einen simplen Wecker, ob Faschingskapriolen oder Fernseherlebnisse der besonderen Art. Die zum Beispiel im ebenso vergnüglichen wie verzweifelten Versuch gipfeln, dem neunjährigen Neffen zu erklären, was „ein scharfes Luder“ ist…


Doch Siggi Trzoß lotet bei aller Unterhaltsamkeit auch tief. Er lässt seine Paula beim Klassentreffen ironisch über erstaunliche Karrieren sinnieren, entdeckt mit Paul nach einer Wahl begossene Pudel, lachende Hühner und dumme Gänse und hat bissige „hartzige Reformvorschläge“ für versteckte Vermögen parat. Die gut gemixten Sonntagsgeschichten, zwischen 1991 und 2006 aufgeschrieben, lesen sich amüsant und reflektieren privat wie politisch ein Stück Zeitgeschichte.


Auch wenn die Anlässe vieler Momentaufnahmen nicht immer heiter sind, packt Trzoß sein Publikum beim Humor. Und ein Plädoyer für die Liebe im reifen Alter sind diese Texte allemal. Und häufig liefert der Autor verschmitzt sein „Patentrezept“ mit, das eigentlich immer passt: „Eine scharfe Sommernummer vertreibt den ganzen Alltagskummer“.

Renate Wagner

Siegfried Trzoß „Wenn der Paul mit der Paula …“, Illustrationen Klaus Röllig, 136 Seiten, Hardcover, apercu Verlag, Gubener Straße 47, 10423 Berlin, 136 S., 8,50 Euro, ISBN: 978-3-938810-01